Attac und das kriselnde System

Gerade im Radio, Bayern 2…ein Gespräch mit einem der Attac-Gründer. Happy Birthday, etc. Der Gründer erzählte: Vor zehn Jahren, nach der Asien-Krise, sei man entsetzt gewesen, dass 30 Millionen Menschen von einem entfesselten Finanzsystem (usw.) in die Armut getrieben worden waren. Heute, so der Gründer wörtlich, “liege die gesamte Weltwirtschaft an der Kandare”.
…ob er wirklich nicht weiß, dass er mit dieser Argumentation der Weltwirtschaft in die Hände arbeitet? War nicht die kriselnde Wirtschaft, die dauerkriselnde Wirtschaft, das zentrale Argument zur Senkung von Löhnen, zur Deregulierung der Finanzmärkte, zur Aufhebung von Kündigungsfrist, zum Abbau des Sozialstaates, etc? Ich denke da an Luhmann, die Gesellschaft der Gesellschaften habe ihn seelig: Die einzige Möglichkeit, wie ein System ein anderes beeinflussen könne, so der Kult-Soziologie weise vorausblickend, sei die, eine Krise vorzutäuschen. Denn wenn es bei prinzipiell gleichwertigen bzw. autonomen sozialen Systemen eine Rangfolge geben könne, dann entscheide paradoxerweise das schwächste System, indem es die anderen zur Leistung von Hilfe bzw. Rücksicht drängt, damit die transsystemische Stabilität gewahrt werde.
Aha. Zum einen ist die Wirtschaft nicht das schwächste, sondern das stärkste gesellschaftliche System, zumindest hier (in den Medien, nicht nur im Wirtschaftsteil, wird “ökonomisch unrealistisch” mit “ohne Existenzberechtigung” gleichgesetzt). Dann frage ich mich, woher das ständige Gerede von der “Krise” kommt, bzw., ob die Krise nicht das Gespenst ist, das uns alle antreiben soll. Quasi die Peitsche, die uns Dauerdruck macht, dass wir, dumme Rennpferde, niemals nachlassen zu sprinten. Der Wirtschaft ging es in den Jahrtausenden ihres Bestehens nicht so gut wie heute! Niemals! Die Menschheit war niemals so reich wie jetzt! Wir hatten noch nie so viele vollernährte Menschen, noch nie so viel Luxus, noch nie so viel Wohlstand.
Wenn wir ein Problem haben, dann dieses: zuviel Arbeit!

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