Frohe Feiertage! С праздниками!

Väterchen Frost in St. Petersburg - und daneben ein Engel in Schwarz. Was ist das für eine überirdisch kuriose Weihnachsstimmung, die Elena Efimova hier eingefangen hat. Die Künstlerin stellt auf Photosight.ru faszinierende photographische Arbeiten aus. Überwiegend Stadtbilder, aber auch einige Porträts und Stillleben sind darunter. Petersburg, dem ein Großteil der Photos gewidmet ist, erscheint - obwohl durchgängig schwarzweiß - in leuchtenden Farben.Gemeinsam mit dem Programmierer und Dichter Georgij Žerdev sowie dem Musiker Pavel Linejkin hat Elena Efimova auch eines der wenigen aktuellen Werke russischer, multi-medialer Poesie geschaffen, das Flash-Poem Stadt (Город). Visuelle, klangliche und sprachliche Stadtimpressionen legen sich schichtenweise über- beziehungsweise untereinander. leben folgt / traum lebenFast verschwindet der Gedicht-Text im Schnee. Das Verstecken von Schrift, anstelle ihrer blinkenden oder rotierenden Exposition, ist ein für Georgij Žerdev typisches Verfahren, das mit den Begrenzungen der menschlichen Wahrnehmung am Bildschirm produktiv spielt. Der Text lässt sich jedoch mit dem Cursor an eine beliebige andere Stelle auf dem Photo bewegen, wodurch sich selbstredend auch seine Bedeutung verändert. Auch kann die jeweilige Textminiatur durch einen Klick in einen neuen Vers verwandelt werden. Der Betrachter bahnt sich also seinen eigenen Weg durch die Stadtbilder. "Vertraut' nicht der Phantasie des Autors", heißt es denn auch in der einführenden "Lektüreanleitung". Das klingt ganz nach dem frühen Pathos der Hypertext-Theorie, die im variablen digressiven Text die Befreiung des Lesers vom Autor sah. Und doch ist Stadt ein eher schlichtes als pathetisches Werk, das die Möglichkeiten der Animation und Bildschirmpräsentation nutzt, ohne sie zu überreizen.Dazu tragen neben den zurückhaltenden Photographien und der lediglich untermalenden Musik auch die Texte Žerdevs bei. Seine literarischen Miniaturen sind im Stile der Tanketki gehalten. Über die Tanketka als einem Genre, das genuin im russischen Internet entstanden ist, habe ich schon an anderer Stelle im Blog berichtet. In seiner formalen und semantischen Komprimiertheit bringt es lakonisch eine urbane Perspektive zum Ausdruck, leben die meisten der am Bildschirm Schreibenden und Lesenden doch "in der stadt / schachtel" (В коробе / города).H.S.

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