AllofMP3 oder WTO: Russland muss sich entscheiden

Moskau (jvo) AllofMP3.com oder WTO-Mitgliedschaft? Russland muss sich entscheiden, denn der umstrittene Musikshop ist das Killer-Kriterium für den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation. Ein Sprecher des US-Handelsministeriums erklärte gemäss Heise Online: "Ich sehe keinen WTO-Beitritt für Russland, solange es Websites wie AllofMP3 gibt!"


allofmp3, logo





Das russische AllofMP3 rechnet im Gegensatz zu amerikanischen Musikdiensten wie Apples iTunes Store keine einzelnen Songs (teuer) ab, sondern das übertragene Volumen. So kostete ein Album nur rund 2 Dollar - etwa zehnmal weniger als im iTunes Store.



Die Amerikaner hatten in den bisherigen WTO-Beitrittsverhandlungen klar gemacht, dass der russische MP3-Shop geschlossen werden müsse, und die internationale Musikindustrie bekämpfte AllofMP3 mit harten Bandagen. Ende Oktober 2006 wollten nicht einmal mehr die sonst nicht gerade zimperlichen Kreditkartenfirmen mit AllofMP3 etwas zu tun haben.



Klagesumme höher als das russische Bruttoinlandsprodukt



Am 18. Dezember 2006 wurde das Moskauer Unternehmen Mediaservices, zu dem Allofmp3 gehört, von US-Musikkonzernen und dem US-Musikindustrieverband RIAA verklagt. Sie fordern von Mediaservices 1,65 Billionen Dollar Schadenersatz (150.000 Dollar für jede der 11 Millionen heruntergeladenen Dateien). Diese Summe übersteigt absurderweise das gesamte russische Bruttoinlandsprodukt BIP.



Doch AllofMP3 betonte immer, Lizenzverträge mit der russischen Verwertungsgesellschaft ROMS * РОМС zu haben und ein völlig legales Geschäft zu betreiben. Deshalb versuchte Russland, grundsätzlich gegen russische Websites vorzugehen, die wie AllofMP3 urheberrechtlich geschützte Werke über das Internet verbreiten. Doch das ist nach russischem Recht gar nicht so einfach, schreibt Heise Online.



Freispruch - nun hat Russland ein gröberes Problem



Die russischen Gerichte mussten Mediaservice/AllofMP3-Chef Denis Kvasov in einem international viel beachteten Verfahren freisprechen, weil es keine überzeugenden Beweise für Urheberrechtsverletzungen gebe. Die internationale Musikindustrie reklamierte - "Wir sind unzufrieden mit der Entscheidung" - und kündigte über den Internationalen Verband der Phonoindustrie IFPI Berufung gegen das Urteil an.



Während Allofmp3 zu den besten Zeiten mehrere Millionen Musikliebhaber anlockte, erfreut sich gemäss "Welt Online" nun eine andere russische Billig-Download-Seite der Aufmerksamkeit von sparsamen Musikfreunden aus aller Welt: mp3sparks - ebenfalls im Besitz von Mediaservice/AllofMP3. Und Denis Kvasov kündigte an, AllofMP3 bald wieder zu öffnen. Das Problem für Russlands WTO-Beitritt wird sich damit kaum von alleine lösen.


büroklammer, rot



Krusenstern-Crosslinks:



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Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:

"Heise Online", "Welt Online", Wikipedia (de) (engl) (rus).

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