Gasprom lässt Total mitspielen
Das größte Gasfeld der Welt in Russland hat allerlei Begehrlichkeiten geweckt - nun hat der Staatskonzern Gasprom unter den Anwärtern einen Partner ausgewählt. Der französische Total-Konzern darf bei der Ausbeutung mitmachen. Die Wahl fiel sicherlich mehr aus politischen, denn aus wirtschaftlich-technischen Überlegungen auf die Franzosen.
Das Schtokman-Feld vor der russischen Nordküste enthält Billionen Kubikmeter Erdgas. Mit dem geschätzten Vorkommen könnte man die ganze Welt ein Jahr lang mit Gas versorgen. Dementsprechend heftig kämpften zahlreiche westliche Konzerne darum, in das russische Vorhaben einbezogen zu werden. Dann der Schock: Im Oktober verkündete Gasprom überraschend, die Schtokman-Vorkommen alleine ausbeuten zu wollen.
Später lenkte das vom Kreml kontrollierte Unternehmen allerdings ein - und nun hat also Total das Rennen gemacht. Der Energieriese werde mit 25 Prozent an der ersten Phase der Ausbeutung beteiligt, erklärte Gasprom-Chef Alexej Miller heute. Eine oder mehrere weitere ausländische Firmen könnten einen 24-Prozent-Anteil bekommen. Gasprom behalte mindestens 51 Prozent, die Entwicklungslizenz und die gesamten geförderten Rohstoffe aus dem größten Gasfeld der Welt, das in der Barentssee liegt.
Ein Total-Sprecher in Paris bestätigte die Einigung und sagte, die Gespräche über die Einzelheiten des Vertrages seien schon sehr weit fortgeschritten. Die Ausbeutung des Feldes ist hochkompliziert, da die Barentssee an dieser Stelle 350 Meter tief und zudem oft gefroren ist.
Die Lieferungen aus dem Feld durch Pipelines sollen im Jahr 2013 beginnen. Ein Jahr später wird den Planungen zufolge auch die ersten Schiffe mit Flüssig-Gas ablegen. Ein großer Teil des Gases soll nach Europa verkauft werden.
Was hat Total von dem Deal?
Total will seit langem in Russland expandieren - das Land ist der weltgrößte Energie-Exporteur. Branchenexperten fragten sich heute allerdings, was die Franzosen im Gegenzug zu der Beteiligung bekommen. "Wie viele westliche Ölfirmen wollen noch ohne Gegenleistung mit Gasprom ins Bett steigen?", fragte ein Analyst in London, der nicht namentlich genannt werden wollte. Börsianer waren dennoch offenbar überzeugt, dass für Total etwas herausspringen wird: Die Aktie kletterte um 1,5 Prozent. Interesse an Schtokman hatten auch Chevron und ConocoPhillips aus den USA, die norwegischen Energieriesen Statoil und Norsk Hydro sowie die deutsche E.on Ruhrgas bekundet.
Unter Russlands Ex-Präsident Boris Jelzin hatten ausländische Konzerne oft die Kontrolle über große russische Öl- und Gasvorkommen erwerben können. Unter seinem Nachfolger Wladimir Putin versucht das Land nun, die Kontrolle in nationaler Hand zu behalten und lediglich ausländische Minderheitsbeteiligungen zuzulassen. So sind etwa die deutschen Konzerne E.on Ruhrgas und die BASF -Tochter Wintershall stets nur zusammen mit Gasprom an Gasfeldern oder Pipelines beteiligt, wie etwa bei der Ausbeutung des Gasfelds Juschno Russkoje in Westsibirien und beim Bau der Ostsee-Pipeline.
Ein Artikel vom Spiegel

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