RWE verzichtet auf Klage gegen Gazprom

Der Energiekonzern RWE nimmt von Schadenersatzansprüchen gegenüber Gazprom als Folge des temporären Gaslieferstopps Abstand. Zwar müsse man mit den Vertragspartnern über die Situation sprechen, erklärte RWE-Manager Stefan Judisch der Financial Times Deutschland, gerichtlich wolle man aber nicht vorgehen.

 


RWE_Gasprom.jpgNach den Lieferunterbrechungen im Januar strebt RWE eine versöhnliche Regelung mit dem russischen Gaserzeuger Gazprom an. Der temporäre Stopp der Lieferungen habe "erhebliche finanzielle Implikationen" gehabt, sagte RWE-anager Stefan Judisch. "Darüber müssen wir mit den Vertragspartnern reden", erklärte der oberste RWE-aseinkäufer in Essen. RWE wolle aber nicht auf dem Klageweg Schadensersatz fordern.

 

Der zweitgrößte deutsche Energieversorger verhält sich gegenüber dem russischen Gasexporteur konzilianter als Marktführer Eon. Dessen Importtochter Ruhrgas prüft die Durchsetzung von Schadensersatzforderungen.

 

Die 1073 Kilometer lange Pipelinestrecke durch die Ukraine bleibt nach Judischs Einschätzung auf absehbare Zeit die Achillesferse der Gasversorgung Westeuropas. Trotz der vorläufigen Einigung zwischen der Ukraine und Russland sei der Grundkonflikt nicht gelöst und könne stets neu aufflammen.

 

Seit dem Zerfall der Sowjetunion vor 18 Jahren ist es immer wieder zum Streit gekommen - den ersten Lieferstopp gab es 1993. In den vergangenen Wochen habe die Weltrezession die Lage extrem verschärft, heißt es in einer Studie der US-Energiemarktforschung Cera. Die Krise trifft danach beide Länder hart und bremst deren Kompromissbereitschaft.

 

Zudem ist das Transfersystem in einem schlechten technischen Zustand. Die Ende der 70er-Jahre verlegten Röhren kommen in die Jahre. "Es gibt immer wieder Hinweise auf Probleme bei Korrosionsschutz und Dichtigkeit der Pipelines in der Ukraine", sagte Jörg Spicker, Chef des deutschen Zweigs des unabhängigen Gashändlerverbands Efet. Daher bestehe hoher potenzieller Bedarf an Reinvestitionen. Fachleute taxieren die Gasverluste auf bis zu fünf Prozent.

 

Der Konflikt im Januar habe die Dringlichkeit von Umgehungsrouten unterstrichen, wie die über die Türkei führende, 3300 Kilometer lange Süd-Pipeline Nabucco, sagte RWE-Manager Judisch. Er rechne damit, dass die notwendigen Rahmenabkommen zwischen den beteiligten Regierungen im ersten Halbjahr 2009 unterzeichnet würden. "Die EU macht Tempo bei dem Thema", so Judisch.

 

RWE hat Interesse an einer raschen Umsetzung. Der Konzern ist zu einem Sechstel an der Nabucco-Pipeline beteiligt, über die frühestens ab 2014 Gas aus der Kaspischen Region nach Westen fließen kann.

 

Selbst wenn Nabucco und andere Großprojekte wie die Ostsee-Pipeline realisiert werden, bleibt die Ukraine-Röhre für Westeuropas Versorgung unverzichtbar. Auch 2015 fließen mindestens 40 Prozent des russischen Exportgases für Westeuropa über dieses System, so Cera-Zahlen. Derzeit liegt der Anteil der Ukraine mit rund 100 Mrd. Kubikmetern bei 80 Prozent.

 

(Quelle. Financial Times Deutschland vom 06.02.2009)

Wenn man hier immer weitere

Wenn man hier immer weitere rechtliche Schritte eingeht, beruhigt sich die Lage nie und man schaukelt sich immer weiter hoch. Das hier Gespräche stattfinden müssen, ist keine Frage, denn schließlich kann so etwas immer wieder passieren.

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