Weckruf für Europa

Gestern unterzeichneten Russland und China ein Energie-Kreditabkommen, dass langfristig gesehen auch Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Russland und der EU hat. Die Financial Times Deutschland sieht in dem Abkommen einen Weckruf für die europäischen Staaten: die EU darf ihre Energieversorgung in der Zukunft nicht allein von Russland abhängig machen.

 


Russland_China.jpgGeorgien, Ukraine - und jetzt also China? Auf den ersten Blick mag diese drei Länder wenig miteinander verbinden. Die Europäer aber haben Anlass genug, sie in eine Reihe zu stellen: Wie Mosaiksteine fügen sich die Ereignisse der vergangenen Monate in allen drei Nachbarstaaten Russlands zu einem besorgniserregenden Bild für die europäische Energieversorgung zusammen.

 

Moskaus rüdes Auftreten im Georgienkrieg im Sommer hat die Europäer vor ein Dilemma gestellt: Sie konnten dem Aggressor nur mit gedämpftem Selbstbewusstsein entgegentreten, da dieser zugleich Europas Hauptlieferant für Erdgas ist. Darauf, wie es sich anfühlen könnte, wenn Russland den Hahn einmal zudreht, lieferte dann Anfang des Jahres die erneute Auflage des russischukrainischen Gasstreits einen Vorgeschmack.

Sowohl im Georgienkrieg als auch beim Gasstreit wurde gern darauf verwiesen, dass Russlands Erpressungspotenzial begrenzt sei: Schließlich beruhe die Abhängigkeit auf Gegenseitigkeit, weil Russland auf Europa als Gaskunde ebenso angewiesen sei wie Europa auf Russland als Verkäufer. Bislang trifft dieser Einwand zu.

 

Umso größer muss das Unbehagen der Europäer sein, wenn Russland nun mit der Wirtschaftsgroßmacht China seine Kundenbasis erheblich ausweitet und Pipelines nach Fernost baut. Zwar geht es bei dem gestern geschlossenen Energie-Kreditabkommen zunächst nur um Öl, Gas kann aber leicht folgen. Mit Staaten wie Libyen und dem Iran kooperiert Russland ohnehin längst.

 

Europa kann weder China noch Russland davon abhalten, ihre jeweiligen energiestrategischen Interessen vorantreiben. Um sich von einem unzuverlässigen Partner wie Russland wirtschaftlich und politisch so unabhängig wie möglich zu machen, gibt es nur einen Weg: Die EU muss ihre Energieversorgung ebenso zügig diversifizieren wie Russland sein Kundennetz - etwa mithilfe der Nabucco-Pipeline. Die Pläne dafür liegen längst vor. Am politischen Willen für ihre Umsetzung mangelt es aber noch immer.

 

(Quelle: Financial Times Deutschland vom 18.02.2009)

"Moskaus rüdes Auftreten im

"Moskaus rüdes Auftreten im Georgienkrieg im Sommer hat die Europäer vor ein Dilemma gestellt..."

Nicht erst seitdem.

Das wirkliche Dilemma ist aber leider, dass überall dort, wo es auf der Welt Öl und Gas gibt, keine wirklich demokratischen Regierungen existieren.

Ob nun Arabien (Islamisten), Russland (Autokratie mit Zar Putin) oder auch Südamerika (Chavez) - irgendwoher brauchen wir aber nun mal Öl und Gas, damit unsere Wirtschaft weiter läuft.

Letztlich aber, ist es immer die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Der einzige Ausweg wäre alternative Energien zu entwickeln, die uns vom Öl und Gas (zumindest weitgehend) unabhängig machen.

Dies ist durchaus möglich, das Potenial dazu hat Europa auf jeden Fall ABER: Sowas kostet eben erstmal viel Geld.

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