Salo
Ein Freund aus der Ukraine ließ mir über Umwege Salo zukommen. Weshalb ich mich SOFORT bei ihm meldete, um ihm “Danke!-Danke!-Danke!” zu sagen.
Was möglicherweise im unorthodoxen Kernland der Christenheit nicht verstanden wird, denn Salo ist eigentlich nichts anderes als Schweinespeck – ein in Salz und diversen (Geheim-)Gewürzen gereifter, sechs bis zehn Zentimeter dicker schweinischer Rückenspeck.
Aber nicht ums Essen geht es – Salo ist Religion, Salo ist Kult, Solo ist die Hostie der ukrainischen Weltanschauung, Salo ist die Seele jeder ukrainischen Küche.
Bekommt man Salo geschenkt, ist man aller Ehren wert. Entsprechend hat man sich zu bedanken.
В українській культурі сало набуло дещо культового значення, denn es war wunderbar geeignet, sich gegenüber den Türken im Süden wie auch gegenüber den Juden im Westen abzugrenzen. Mit den Türken befand man sich als stolzer Kosak traditionell in Dauerfehde, den anderen hatte man – im Auftrage polnischer Herren – Abgaben zu leisten. Beiden Feinden verbat deren Religion Schweinefleisch und so ist es geradezu logisch, dass, was eine Seite nicht essen kann, auf der anderen kultiviert wird.
Wer in der Ukraine ein Geschäft beginnen will, ist gut beraten, auf die Frage, was er denn in der Ukraine wolle, zu antworten:
“Ich kam eigentlich nur, um Salo zu probieren.”
Alles andere ist nebensächlich. Mit diesem Satz hat man den Schlüssel in der Hand.
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