Sieg des Populismus
Die G-20 ernennen sich zur neuen Weltregierung und Angela Merkel feiert sich selbst
Zum dritten Mal in diesem Jahr trafen sich die Mächtigen der Welt, um ihre Maßnahmen gegen die Folgen der Finanzkrise abzustimmen. Zum dritten Mal gingen sie allerdings auch wieder auseinander, ohne konkrete Maßnahmen zu beschließen. Das Abschlusskommunique von Pittsburgh enthält keine tiefgreifenden Reformen, die den Kasinokapitalismus in geordnete Bahnen bringen könnten, dafür umso mehr butterweiche Formulierungen und Nebensächlichkeiten. Wollte man zu Beginn des Jahres noch das Weltfinanzsystem neu erfinden, arbeitet man sich heute auf dem Nebenkriegsschauplatz der Bankerboni ab. Was als Komplettsanierung des maroden Hauses geplant wurde, ist zu einer Diskussion um die Farbe der neu gestrichenen Fensterläden verkommen. Die Spekulanten im Kasino dürfen aufatmen – ihr Spiel darf weitergehen.
Wenn man Finanzexperten und Volkswirte zu den Ursachen der Finanzkrise befragt, so landet das Bonussystem der Banker meist auf den hinteren Rängen. Zwar haben sich Anreizstrukturen, die üppige Bonuszahlungen für kurzfristige Buchgewinne ermöglicht haben, als Brandbeschleuniger herausgestellt, Brandursache waren sie jedoch nicht.
Natürlich ist es ehrenwert und löblich, wenn hier künftig die Anreizstrukturen auf langfristige Erfolge umgestellt werden sollen – ob dies überhaupt in dieser Form geschieht, darf indes bezweifelt werden. Wie der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner bereits bemerkte, soll es sich bei den verabschiedeten Regulierungen der Bonussysteme um nationale Richtlinien handeln. Welche Regulierungen konkret ergriffen werden, ist dann vor allem Sache der nationalen Regierungen. Der Einfluss der Bankerlobbys, die bereits im Vorfeld des Gipfels offen mit ihrem Abzug aus den nationalen Finanzzentren drohten, wenn ihre Boni stärker beschnitten werden, als in anderen Ländern, lässt hier kaum tiefgreifende Reformen erwarten.
Managergehälter und Bankerboni sind nicht die Krankheit des Finanzsystems, sondern lediglich ein Symptom. Sie haben allerdings den Vorteil, dass sie für breite Bevölkerungsschichten wesentlich leichter zu greifen sind, als beispielsweise komplexe Eigenkapitalvorschriften und Risikostrukturierungsmodelle. Wenn Angela Merkel und Peer Steinbrück gleichzeitig wirkungsvolle Finanzmarktregulierungsmechanismen fordern, und die Regulierung der Bankerboni als Erfolg auf diesem Gebiet verkaufen, so merkt man, dass Wahlkampf ist.
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