Abrüstung
Über die Bedeutung strategischer Waffen ...
Submitted by RSS Sammler on Di, 07/04/2009 - 19:32... in der heutigen Welt schreibt Alexander Chramtschichin, nicht ohne zuvor auf die Geschichte der amerikanisch-sowjetischen Abrüstungsverträge einzugehen, wie immer sehr kenntnisreich und lesenswert für RIA Nowosti:"[...]Der vor 35 Jahren (am 26. Mai 1972) in Moskau von US-Präsident Richard Nixon und dem Generalsekretär des ZK der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Leonid Breschnew unterzeichnete Vertrag über die Begrenzung der strategischen Waffen wurde zur ersten Vereinbarung dieser Art zwischen der UdSSR und den USA.Er bestand aus einem provisorischen Abkommen über einige Maßnahmen zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen, das manchmal als SALT-1 bezeichnet wird, und einem Vertrag über die Begrenzung der Raketenabwehrsysteme (ABM-Vertrag). SALT-1 fixierte im Grunde die bestehende Kräftekonstellation im Bereich der boden- und der seegestützten ballistischen Raketen, der zweite Vertrag bekräftigte den freiwilligen Verzicht der Seiten auf die Schaffung eines Systems zum Schutz vor besagten ballistischen Raketen.Ein indirekter Grund für die Unterzeichnung von SALT war der Vietnamkrieg. Vor seinem Beginn hatten die USA noch eine erdrückende, wenn auch nach und nach abbröckelnde Überlegenheit über die UdSSR auf dem Gebiet der strategischen Kernwaffenkräfte. Aber das Abenteuer in Südostasien saugte Amerika völlig aus. Der Pentagon-Hauhalt erreichte gewaltige Ausmaße, wobei ein Großteil der Geldmittel für den Kauf von konventionellen Waffen draufging. Sie wurden nach Vietnam gebracht und dort im Kampf gegen die Vietnamesen rasch "utilisiert" (in den achteinhalb Kriegsjahren verloren die USA dort unter anderem 8 600 Flugzeuge und Hubschrauber). Die UdSSR investierte in Vietnam einen Bruchteil des Umfangs der amerikanischen Beträge, und zwar in die eigene Gruppierung in Vietnam und in ihre vietnamesischen Verbündeten. Mit Hilfe dieser geringen Geldmittel brachte Moskau Washington eine schwere Niederlage bei. Zugleich vollbrachte die UdSSR einen Durchbruch bei der Entwicklung der strategischen Kernwaffenkräfte und holte Amerika ein, das wegen der vietnamesischen Ausgaben gezwungen war, diese Sphäre des militärischen Aufbaus faktisch zu ignorieren. Und im ABM-Bereich konnte die UdSSR die Vereinigten Staaten sogar überholen. Die erste erfolgreiche Erprobung einer Antirakete in unserem Lande fand 1961 statt - 23 (!) Jahre früher als in den USA.Zur Zeit der Unterzeichnung von SALT kämpften die USA noch aktiv in Vietnam weiter, doch dieser Krieg komplizierte die innenpolitische Situation in Amerika immer mehr. Es erschien unmöglich, die militärischen Ausgaben noch mehr zu steigern, um den Abstand zur UdSSR auf dem Gebiet der strategischen Rüstung zu beseitigen. Deshalb hielt es die amerikanische Führung für ratsam, trotz des Widerstandes der Konservativen und einiger Vertreter des Militär-Industrie-Komplexes die entstandene Parität zu fixieren. Der Verzicht der Seiten auf die Schaffung von ABM-Systemen zum Schutz des ganzen Landes (erlaubt wurde, nur je zwei und dann nur je ein beschränktes durch ABM geschütztes Gebiet zu haben) war wichtiger als die Begrenzung der Offensivwaffen. Der Verzicht auf Selbstschutz sollte automatisch den Wunsch nach einem Überfall eindämmen, es entstand ein System der gegenseitigen garantierten Vernichtung. Übrigens hatte der ABM-Vertrag auch einen pragmatischen Aspekt. Die Entwicklung effektiver Raketenabwehrraketen war weit komplizierter und kostspieliger, als die von eigentlichen Raketen. Zudem konnte jede der Seiten mit weit geringeren Kosten ein Durchbrechen des feindlichen Raketenabwehrsystems sichern. Dementsprechend wurde der Vertrag zur Selbstrechtfertigung für den Verzicht auf die schon ganz verrückten Ausgaben bei sehr zweifelhaften Ergebnissen. Nicht von ungefähr entfalteten die USA praktisch keinen einzigen vom Vertrag erlaubten AMB-Raum und die UdSSR behielt mit ihrem Moskauer Raum ihr Monopol bei.In den vergangenen 35 Jahren kamen noch der SALT-2-Vertrag, die Verträge über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen 1 und 2 und schließlich der Vertrag über die Begrenzung der strategischen Potentiale hinzu. Die Beschreibung ihres Wesens in einem kurzen Artikel dürfte kaum möglich sein. Andererseits wurde der ABM-Vertrag von den USA gebrochen, weil er ihnen ungünstig schien.Heute führen die USA wieder einen Krieg, und der wird das Land sowohl finanziell als auch politisch vermutlich viel teurer zu stehen kommen. Das Pentagon-Etat hat erneut phantastische Ausmaße angenommen. Es gibt wieder keine Möglichkeit, sich mit der strategischen Rüstung zu beschäftigen. Freilich wird ein vom militärischen Standpunkt aus recht sonderbares AMB-System ausgearbeitet.Ebenso wie während des Vietnamkrieges hat Russland die Möglichkeit, die amerikanischen Probleme auszunutzen. Vorläufig allerdings geschieht das nicht. Während bei den USA die strategischen Kernwaffenkräfte seit ungefähr anderthalb Jahrzehnten mit geringen Kürzungen stabil bleiben (Abzug der MX-Raketen und eines Teils der B-52-Bomber, die Umrüstung von vier SSBN-Raketen "Ohio" von ballistischen auf Flügelraketen), werden die russischen strategischen Kernwaffenkräfte recht schnell reduziert. Interessant ist übrigens folgendes: Während es der russischen Führung in den "geldarmen" 90er Jahren gelang, diestrategischen Kernwaffenkräfte beinahe auf dem gleichen Niveau zu behalten, das Russland nach dem Zerfall der UdSSR hatte, werden die strategischen Waffen im 21. Jahrhundert trotz eines starken Zuwachses der militärischen Ausgaben sehr schnell reduziert. Anders als die USA, die seit langem keine neuen strategischen Träger gekauft haben, baut Russland seine ICBM "Topol" sowohl in der mobilen als auch, seit Ende der 90er Jahre, in der silogestützten Variante weiter. Doch das Problem besteht darin, dass die "Topol" nur einen Einfachgefechtskopf trägt, während die alten interkontinentalen Kampfraketen aus den Sowjetzeiten, die allmählich ihre Garantiezeit abdienen und abgeschrieben werden, je 6 bis 10 Gefechtsköpfe trugen. Dementsprechend ist die Zahl der Gefechtsköpfe der see- und der bodengestützten ballistischen Raketen 2000 bis 2007 auf die Hälfte gesunken. Russland bemüht sich, die maritime Komponente der strategischen Kernwaffenkräfte zu erneuern, hier haben sich jedoch ernste Probleme mit der neuen ballistischen interkontinentalen U-Boot-Rakete "Bulawa" ergeben (alle ihre Erprobungen endeten bisher mit einem Misserfolg).Der Abbau der Offensivwaffen bis auf einen relativ niedrigen Stand schafft eine völlig neue militärstrategische Situation nicht nur in den russisch-amerikanischen Beziehungen, sondern auch in der Welt als Ganzes.Erstens. Wenn die Zahl der strategischen Träger und ihrer Gefechtsköpfe geringer wird, kann sich das ABM-System als effektiv erweisen. Die heutigen ABM-Systeme - sowohl das russische als auch das halb virtuelle amerikanische - können den Schutz vor einem massierten Kernwaffenschlag nicht gewährleisten. Mehr noch, es hat keinen Sinn, eifrig nach der Lösung dieser Aufgabe zu suchen. Wenn sich aber die Zahl der potentiellen Ziele wesentlich verringert, könnte jemand auf den Gedanken kommen, dass sich das Spiel lohne: Man könne in die Schaffung eines wirklich effektiven ABM-Systems sowie die Entwicklung von Erstschlagsmitteln viel investieren (möglicherweise wird es sich bei diesen Mitteln um nicht nukleare Präzisionswaffen handeln). Das Endziel wäre die Schaffung einer Situation, in der ein entwaffnender Erstschlag (ob nuklear, nicht nuklear oder gemischt, ist ein Kapitel für sich) gegen die strategischen Kernwaffenkräfte des Gegners geführt werden könnte, und die Reste würde das Raketenabwehrsystem erledigen. Somit kann die Reduzierung der Offensivwaffen bei gleichzeitigem Fehlen von Begrenzungen für die Defensivwaffen und einer schnellen Entwicklung von nicht nuklearen Präzisionsvernichtungsmitteln destabilisierend wirken.Zweitens. Während vor 35 Jahren die Kernwaffenarsenale nur der UdSSR oder nur der USA ein Vielfaches der Kernwaffenkräfte von Großbritannien, Frankreich und China zusammengenommen ausmachten, ist die Situation heute anders. Die Zahl der nuklearen Mächte ist gestiegen, die Zahl der Träger und der Gefechtsköpfe bei den beiden "Hauptländern" hat sich dagegen vermindert. Überdies sind dieselben "Hauptländer" (Russland und die USA) durch den Vertrag über die Mittel- und Kurzstreckenraketen aneinander gebunden, der sich auf kein anderes Land erstreckt. Deshalb werden weitere zweiseitige Verträge einfach unmöglich. Beliebige neue Abkommen über eine Kernwaffenreduzierung müssen alle Länder umfassen, die solche Waffen, darunter "inoffiziell", besitzen (Israel, Indien, Pakistan, Nordkorea). Für Russland ist dieses Problem viel akuter als für die USA. Alle übrigen nuklearen Staaten liegen in Eurasien, und ein Großteil der Kernwaffen ist auf uns gerichtet. China zum Beispiel hat eine unbedeutende Anzahl von interkontinentalen ballistischen Raketen, die die USA erreichen können, dafür aber viele Mittelstreckenraketen und Raketen geringerer Reichweite, die auf Russland und Indien gerichtet sind (das ist vielleicht auch die Verkörperung des Dreiecks Moskau - Delhi - Peking).Folglich erfordert heute das gesamte System der wechselseitigen Sicherheit in der Welt ein völlig neues Herangehen. Doch sieht es so aus, als gäbe es niemanden, der ein solches Herangehen realisieren könnte, im Gegenteil, die Situation spitzt sich nur noch zu. Die USA, die Anfang der 90er Jahre zum Welthegemon aufgestiegen waren, haben durch ihre Handlungen das Völkerrechtssystem praktisch zerstört, wodurch sie auch sich selbst einen schweren Schaden zugefügt haben. Heute beobachten wir das Ende der unipolaren Welt, die sich nicht einfach in eine multipolare verwandelt, sondern in ein Chaos ausartet. Russland hat keine eindeutige außenpolitische Konzeption und beginnt, in einer gänzlich anderen geopolitischen Situation mechanisch die sowjetische Außenpolitik zu reproduzieren. Alle übrigen Länder sind offenkundig nicht bereit, die führende Rolle in den internationalen Angelegenheiten zu übernehmen. Dafür könnten unter solchen Bedingungen sehr viele Länder der Versuchung erliegen, sich in ein neues Wettrüsten, darunter auf dem Gebiet von Raketenkernwaffen, einzuschalten.[...]"
Raketenspiele zu Lasten Europas
Submitted by RSS Sammler on Di, 07/04/2009 - 19:32Am 29. Mai haben die russischen Streitkräfte zwei neue Raketensysteme getestet, die Kurzstreckenrakete R-500 und die Interkontinentalrakete RS-24:"[...]Yesterday the Russian military announced the first successful test of the new RS-24 intercontinental ballistic missile with multiple independently-targetable detachable warheads. The addition of this missile to Russia's arsenal could put the country back on an equal strategic footing with the United States, which is slated to have no fewer than 2,200 nuclear warheads in its arsenal by 2012. Moscow claims that the maneuverable warheads on the RS-24 will be capable of confounding the American missile defense system.Representatives of the Russian Strategic Missile Forces (RVSN) announced yesterday that the test-stage warhead on the new RS-24 ICBM with independently-targetable multiple reentry vehicles had successfully obliterated the designated target area at the Kura weapons range in Kamchatka. "The launch of the prototype of [Russia's] new RS-24 intercontinental ballistic missile took place at 14:20 Moscow time from the Plesetsk launch pad with a mobile launch apparatus that was specially reconfigured for the test," said the press service of the RVSN.The Russian military announced its intention to begin production of ground-based ICBMs carrying multiple warheads, developed on the basis of the single-warhead Topol-M missile, after the withdrawal of the US from the ABM treaty in 2002 prompted Russia to reject the START II treaty. The agreement, which was signed in 1993, obliged both countries to eventually reduce their deployed strategic nuclear arsenals to 3,500 warheads and to destroy all ground-based ICBMs with multiple independently-targetable reentry vehicles (MIRVs). This worked in favor of the US: the basis of the Russian nuclear shield was made up of ground-based missiles with six and ten warheads (the RS-18B and RS-20B/V, respectively).In order to maintain its equal strategic footing with the US, Russia needed to sharply increase production of single-warhead ground-based Topol-M missiles while also accelerating work on the construction of new submarines and the creation of a new submarine-based missile (SLBM). However, neither of these goals were realized: from 1998 onwards, fewer than ten Topol-M ICBMs were added to the arsenal every year, not a single new submarine was built, and the new submarine-based Bulava missile has been plagued with misfortune (four out of five tests of Bulava SLBMs have ended in failure).In 2002, Vladimir Putin and George Bush signed the Strategic Offensive Reductions Treaty (SORT, better known as the Moscow Treaty). The new treaty obliges the US and Russia to reduce the number of warheads deployed in their arsenals to 1,700-2,200, but, unlike START II, it sets no restrictions on the structure of each side's nuclear forces. This has allowed Russia to return to the development and production of missiles with MIRVs and to quickly and cheaply compensate for the removal of the RS-18B and RS-20B/V from the arsenal (the majority of these ageing rockets will be obsolete by 2010).There were both legal and technical limitations on the addition of warheads to the Topol-M missile. First of all, the START I treaty, which is in force until December 2009, bans increases in the number of warheads on existing rockets (though not the development of new ones). Secondly, the throw-weight of a Topol-M missile (1.2 tons) is clearly insufficient for the rocket to be equipped with multiple warheads and individual navigation systems (the RS-18B, which carried six warheads, had a throw-weight of up to 4.35 tons, while the RS-20B/V, which could carry ten, had a throw-weight of around 8.5 tons).Thus, Russia's best option was to create a modernized version of its ICBMs by thoroughly overhauling the Topol-M design to increase its payload capacity. Two successful tests of a new triple warhead took place in 2005-2006, but it was tested not on the new rockets but on the decommissioned Topol missile and the K65M-P missile, which was created in the 1970s especially for the testing of warheads. Now, however, the Russian armed forces have announced the successful test launch of a new rocket, which has been christened the RS-24.[...]Along with gaining equal ground with Washington, Moscow is counting on its new rockets to ensure that a Russian attack could successfully penetrate the US missile defense system, no matter how complex it becomes. Russian First Deputy Prime Minister Sergei Ivanov declared yesterday that the RS-24 missile "is able to overcome any existing or, possibly, future missile defense system." Mr. Safranchuk of the WSI believes that the successful test of the RS-24 "can be regarded as one of the elements of the asymmetric response promised by Vladimir Putin after the US withdrawal from the Anti-Ballistic Missile Treaty in 2002.""Auch die Kurzstreckenrakete R-500, die nach 2009 eingeführt werden soll, wird wohl primär der Bekämpfung der geplanten Raketenabwehrbasen dienen, die seitens der russischen Regierung als Grund der Tests genannt werden. Nunmehr verfüge man über Waffen, die in der Lage seien, diese Abwehr zuverlässig zu überwinden.Nachdem neben Tschechien, Polen und Georgien nun auch Litauen Komponenten der Raketenabwehr aufnehmen möchte und auch im pazifischen Raum über ein ähnliches System nachgedacht wird, hat die Debatte darüber eine Eigendynamik gewonnen, die von den Protagonisten der NMD kaum noch zu beherrschen ist. Während die einen auf dessen anti-iranischer Ausrichtung beharren, wird in Osteuropa bisweilen unverblümt zugegeben, daß es auch gegen Rußland gerichtet sei.Der wie immer lesenswerte Power and Interest News Report betont in seiner Analyse des Vorgangs die Modernisierung des russischen Arsenals der strategischen Waffen und sieht die Empfänger dieser Botschaft vor allem in Washington und Peking: "[...]On May 29, a prototype of Russia's new Inter-Continental Ballistic Missile (I.C.B.M.), the RS-24, was fired from a mobile launcher at the Plesetsk launch site in northwestern Russia. The missile landed on target 5,470 kilometers (3,400 miles) away on the Far Eastern Kamchatka Peninsula. The launch was not merely a test of yet another piece of military hardware; it also served as a message from Russia to the United States. The moves and counter-moves by the two powers have become less and less coherent as 2008 draws near because each side is looking past that year's election cycle in order to forge some kind of a coherent foreign and military policy directed at the other.For Russia, the launch comes at a time when the country is attempting to reestablish itself as a strategic leader in the global military balance of power. Earlier, President Vladimir Putin was witness to a failed submarine launch of a new generation ballistic missile. Russia's chief concern is to prevent its missile and ballistic forces from being perceived as outdated by the rest of the world. Since a first-strike nuclear capability is enshrined in the new Russian defense policy in case of an attack on Russian territory, its forces must be capable of functioning at the highest level of competency. The May 29 launch, therefore, proves that the Russian military can and will field state-of-the-art weaponry in order to secure its place among top-tier countries like the United States. In the words of Putin, the I.C.B.M. test was "aimed at maintaining the balance of forces in the world."Competency is critical in today's review of Russia's military strength since the Kremlin's conventional forces are still in the midst of a long and painful process of transition to a more modern force. While two wars in Chechnya have delivered a plethora of tactical lessons to the Russian military, such lessons cannot be applied fully to a force whose technology is still more than a decade behind the leading powers such as the United States. Furthermore, while state-of-the-art military hardware can be exported to potential customers, Russia lacks such weaponry for its own million-strong military force. The May 29 launch issued a potent message to the United States that Russia's strategic missile forces - the backbone of Soviet defenses during the Cold War - still matter.Separately, the test delivered a strong message to China, albeit in a much more muted form. Hidden behind the veil of Moscow-Beijing cooperation is an intense competition for primacy between a once and future superpower.[...]To Moscow, the notion of an economically powerful China with a military in a better state of preparedness than Russia's is inconceivable. All of these factors demonstrate that the arms race that Putin implied in this week's conversations about U.S. intentions is actually a three-way race between the United States, Russia and China.[...]"Auch Richard Weitz fokussiert sich auf die technische Seite und sieht die politische Botschaft in der Sicherstellung der nuklearen Abschreckung auch in der Zukunft: "[...]In this context, the military's recent missile tests appear to have been a stop-gap measure designed to reassure Russian officials, as well as the Russian electorate during the upcoming parliamentary and presidential elections, that the Russian military can still deter a potential U.S. military attack on Russia. Ivanov, a leading candidate to succeed Putin, said the tests made evident that, "Russians need not worry about defense: they can look confidently to the future."Putin and other Russian leaders have renounced any intent to match the U.S. military buildup missile-for-missile, expressing confidence that less costly asymmetric responses would prove adequate for maintaining the credibility of Russia's nuclear deterrent. Nonetheless, they still want to underscore to domestic and foreign audiences that Russia retains a formidable nuclear deterrent.[...]"Was am Streit über den Aufbau der amerikanischen Raketenabwehr (gegen eine nicht existente Bedrohung) wie auch an den russischen Reaktionen darauf am meisten verwundern muß, ist der Befund, daß es in beiden Staaten nach wie vor als selbstverständlich angesehen wird, ein 'Gleichgewicht des Schreckens' zu erhalten: "[...]But what is really ludicrous in Rice's words-- and in various Russian statements--is the notion that it's normal for Russia and the United States to base their relationship on nuclear deterrence.It's even more unfortunate that this notion seems to be universally accepted. Most commentators act as if the Cold War is still ongoing and that the United States and Russia must preserve the capability to destroy each other.This, of course, is nonsense. Even if we accept that during the Cold War the stakes were high enough to justify an immense nuclear buildup and live with the dangers that buildup entailed, no disagreement between the United States and Russia today would justify a nuclear exchange. The single most powerful incentive for maintaining a "strategic deterrent" anymore is the strategic deterrent itself--the U.S. and Russian nuclear forces are locked in a state of mutual dependence, each providing the rationale for the other's existence.[...]"Seit 16 Jahren und der seitherigen positiven Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Seiten war man nicht in der Lage, sich aus der gegenseitigen Abhängigkeit zu befreien. Während dies für die beiden Flügelmächte Europas offenkundig kein großes Problem darstellt, hat Gerhard Mangott zutreffend darauf hingewiesen, daß Europa der Leidtragende dieses Denkens ist. Hierzulande werden jedoch die Reflexe aus dem Kalten Krieg reaktiviert und bedingungslose Gefolgschaft zum 'großen Bruder' eingeübt, während eigene Beiträge und Ideen für die gemeinsame Sicherheit Europas zu wenig Beachtung finden. Der einzige Sinn der Raketenabwehr scheint im Stiften politischer Verwirrung und Mißtrauens zu bestehen, denn einen militärischen Nutzen wird man von ihr kaum erwarten können (was die Apologeten dieses Systems freilich nicht anficht): "[...]What Putin ought to realize - and what his nuclear specialists can tell him - is that the missile defense system Bush is deploying has a fatal flaw: Its sensors cannot discriminate between live warheads in space and easily contrived decoys. A system that doesn't work cannot be a threat to Russia, much less a shield against Iran. This is a system that has benefited only defense contractors and weakened only the American taxpayer."Wir halten fest: Die USA wollen ein nicht funktionierendes Abwehrsystem gegen eine nicht vorhandene Bedrohung in Osteuropa stationieren. Das wiederum ist für Rußland ein willkommener Anlaß, um die ohnehin erforderliche Modernisierung seiner Kurz- und Langstreckenraketen zu rechtfertigen und das nicht funktionierende Abwehrsystem zum Ziel zu erklären. Und in Europa sucht man reflexhaft Schutz unter den Fittichen Washingtons.Als Deutscher kann man bei dieser gesamten Darbietung nur verwundert den Kopf schütteln. Sowohl die USA als auch Rußland spielen ein strategisches Spiel, dem zu viele falsche Annahmen zugrundeliegen, und beiden scheint es egal zu sein. Daher ist aus europäischer Perspektive eine Äquidistanz nicht nur wünschenswert, sondern de facto bereits vorhanden; es sei denn, man ließe sich auf die von beiden ausgestreuten Legenden ein. Gerade den Deutschen sollten die letzten Monate auch klargemacht haben, daß die Welt im 21. Jahrhundert schwieriger ist, als das sie sich durch fromme Wünsche jedweder Art händeln ließe.Vor allem fehlt es bezüglich der Raketenabwehr an einer nachvollziehbaren Kosten-Nutzen-Analyse aus europäischer Sicht: Welcher politische Schaden im Verhältnis zu Rußland ist hinnehmbar, um einen gewissen sicherheitspolitischen Nutzen zu erreichen? Da letzterer ziemlich gering ist, dürfte es kaum sinnvoll sein, die Beziehungen zu Rußland weiter zu beschädigen. Dies würde sich allerdings anders darstellen, wenn mit dem Raketenabwehrprojekt primär das politisches Kalkül verfolgt werden sollte, den amerikanischen Einfluß in der EU zu vergrößern, denn dann würde das Stiften von Verwirrung und das Zurückdrängen Rußlands Sinn machen. Es ist an Europa, dem eine eigene Politik entgegenzusetzen, um einen neuen Kalten Krieg zu verhindern, welcher Europa nur schaden könnte...Foto: www.lenta.ru
Paradoxien der Raketenabwehr
Submitted by RSS Sammler on Di, 07/04/2009 - 19:32James Carroll hat in der IHT einen lesenswerten Artikel über Paradoxien der Raketenabwehr verfaßt:"[...]Across eons, every warrior's improvement in defense was followed by a breakthrough in offense, leading to yet new countermeasures, ever more lethal. This ancient offense-defense cycle was made modern by the machine gun and the tank, then by warplanes and anti aircraft guns, and, ultimately, by ballistic missiles and antiballistic missiles.In 1967, Secretary of Defense Robert McNamara analyzed the structure of this dynamic to argue for a halt to it. "Were we to deploy a heavy ABM system ... the Soviets would clearly be strongly motivated so to increase their offensive capability as to cancel out our defense advantage." Not only would the mutual escalation, launched in the name of defense, be futile and wasteful, but it would make war more likely rather than less.At the end of his Pentagon tenure, McNamara had arrived at the central paradox of the nuclear age - how defense and offense had taken on opposite meanings, with the former having become the inevitable precursor of the latter. In opposing the deployment of the ABM, the American defense chief was breaking with the oldest pattern of human belligerence.This counterintuitive repudiation of defense was soon embraced across the right-left political divide, with Richard Nixon and Henry Kissinger becoming its champions. The idea, enshrined in the 1972 treaty according to which Moscow and Washington jointly forswore the antiballistic missile, was arguably the most important intellectual achievement of the Cold War.Defense could no longer be simplistically defined as moral, with offense as immoral, because the two were halves of the same nut. At last, it was understood that the only way out of the endless cycle of arms escalation was the renunciation of the whole of it. The ABM treaty was thus the ground of subsequent arms limitation, and then arms reduction, leading to nothing less than the nonviolent resolution of the nuclearstandoff.When George W. Bush came into office as president, he quickly denounced the ABM treaty as a "relic" of the Cold War. (In doing this, he was largely dependent on the analysis of Paul D. Wolfowitz, whose public career began on the staff of the Committee to Maintain a Prudent Defense Policy, which was formed to oppose the ABM Treaty.)Because the United States was forbidden by the 1972 treaty to go forward with a missile defense system, Bush unilaterally "abrogated" the agreement in 2002. Not only did this action destroy the arms reduction process (immediately killing START II), it made inevitable the next round of arms escalation.Missile defense began as Ronald Reagan's "Star Wars" fantasy, but in Reagan's vision it was to be paired with steady progress toward nuclear abolition - an element that Bush simply dropped.The actual deployment of U.S. missile defense is well underway - a first shoe dropping. But the Bush system involves the added provocation that Poland and the Czech Republic are sites of some key components, confirming Moscow's fears that the United States, putatively targeting a "rogue" state like Iran, is actually aiming at Russia.The Kremlin reacted exactly as McNamara had predicted it would 40 years ago, and last week the second shoe dropped. "Russia tests missile to pierce U.S. shield," read a headline in the International Herald Tribune, announcing an offensive breakthrough.On May 29, Moscow's new missile flew, and it was a success. Multiple warheads will so enhance a new generation of long-range Russian missiles as to "cancel out," in McNamara's phrase, any imagined defensive advantage of America's shield. Two days after the Russian test, Vladimir Putin said simply, "It wasn't us who initiated a new round of the arms race."Of all the problems that are exacerbating U.S.-Russian tensions today, none compares for destructiveness with Bush's misguided missile defense project. The irony, of course, is that this reigniting of the old tensions in the name of security leads to less security, not more. The tragedy is that it ignores the lesson that had already been so well learned four decades ago.A consensus has lately developed that the Bush administration's worst legacy will be tied to the disastrous war in Iraq, but that may be wrong.The resuscitation of the fantasy of missile defense, and with it the raising from the dead of the arms race, may result in catastrophes in comparison to which Iraq is benign."