Rente
Analysen: Rente und Rentner in Russland seit 1991 5. Teil
Submitted by RSS Sammler on Do, 28/07/2011 - 23:50Analysen: Rente und Rentner in Russland seit 1991 4. Teil
Submitted by RSS Sammler on Mi, 26/08/2009 - 13:00Analysen: Rente und Rentner in Russland seit 1991 3. Teil
Submitted by RSS Sammler on Di, 07/04/2009 - 19:33Liebe Leser der GUS- News,
im dritten Teil meiner Analyse der russischen Renten und Rentnerlebens werde ich die Einkommens- und Ausgabestruktur russischer Rentnerehepaare untersuchen.
„The Russian Longitudnal Monitoring Survey“ (RLMS), der detaillierte Messungen von Haushaltseinkommen, Haushaltsausgaben und Haushaltskonsum von 3831 Familien enthält, untersuchte in den Abschnitten Einkommen (18 Fragen), Ausgaben (24 Fragen) und Hauswirtschaft (Farming and Animal Husbandry) (21 Fragen) unter Anderem entsprechend der Familiensituation auch die Haushaltssituation von Rentnern. Dabei wurden die Rentner in drei folgende Kategorien unterteilt:
1. Rentnerehepaare
2. Alleinstehende Rentner (wird im 4. Teil behandelt)
3. Arme Rentnerehepaare (wird im 4. Teil behandelt)
Im folgenden Kapitel werde ich die Struktur der Haushalteinkommen und der Ausgaben russischer Rentner an der Schwelle zum 21. Jhr. untersuchen.
Struktur der Haushaltseinkommen der Rentnerehepaare
Das durchschnittliche Geldeinkommen einer Rentnerfamilie betrug 1999 nach den RMLS- Daten 1129,5 Rubel/ Monat, wovon pro Familie durchschnittlich 875,8 Rubel Geldeinkommen aus Renten waren. Die Rentenzahlungen leisteten damit durchschnittlich einen Beitrag von 77,5% zum Familieneinkommen dieser Gruppe, wobei auch eine Kategorie von Rentnerfamilien existierte, bei denen die Rente die einzige Einkommensquelle bildete:
Tabelle 3: Die Struktur des Familieneinkommens pro Monat¹²
© GUS- News. Für größere Auflösung bitte die Grafik anklicken
¹ Quelle Dr. N. Tchernina: Die russ. Rentner in den 90er Jahren S. 24ff.
² Am 1.12.99 stand der Kurs des Euros zu Rubel in einem Verhältnis 1: 27, also betrug die durchschnittlich Rente umgerechnet rund 32,43 €
Geldeinkommen aus Eigentum bezogen 28,6% der befragten Ehepaare. Mit anderen Worten sind 28,6% der russischen Rentnerehepaare, wo beide Seiten eine Rente beziehen, dazu gezwungen und bzw. haben die Möglichkeit durch Vermietung von Zimmern in ihren Wohnungen ihr Haushaltseinkommen zu verbessern. Der Mittelwert lag bei 93,5 Rubel pro Monat, das Minimum bei 15 und das Maximum an Untermiete 995 Rubel, wobei das Einkommen durch die Vermietung von der Wohnqualität und dem Wohn abhängt. Z.B. gibt es eine niedrige Miete in den provinziellen Städten und eine höhere in den Grosstädten, besonders in der Hauptstadt. Dieses Einkommen aus Vermietung entsprach 10,7% der durchschnittlichen Rente beider Eheleute. Der Verkauf von Eigentum wurde nur von 1,6% der befragten Rentner bestätigt (Minimum 75 Rubel, Maximum 1500 Rubel), wobei nicht bekannt ist, was im Einzelnen verkauft wurde. Man kann aber größtenteils von persönlichen Gegenständen ausgehen, die in die zweite Hand verkauft wurden. Die geringe Anzahl der Rentner, die ihre Sachen verkauft, spiegelt zwei Tatsachen wider:
- Die Rentner verfügen meist nicht mehr über die Gegenstände, die sie veräußern könne, weil sie bereits Anfang und Mitte der 90er Jahre verkauft worden sind
- Die Gegenstände, die sie noch anzubieten hätte, entsprechen nicht mehr der gewünschten Qualität und werden nicht nachgefragt.
Hilfe von „außen“ erhielten in den letzten 30 Tagen 15,2% der Ehepaare. Dazu zählten Hilfen von verschiedenen Organisationen und von Privatpersonen (Mittelwert 563,5 Rubel pro Monat, was der Hälfte des Geldeinkommens einer Familie entsprach). 12,1% der befragten Ehepaare bestätigten den Erhalt von Lebensmitteln oder finanziellen Hilfen von Verwandten und Bekannten (Mittelwert lag bei 639 Rubeln, Das Minimum bei 20 und das Maximum bei 3500 Rubel).
Aufgrund dieser relativ hohen Werte wurden auch die finanziellen Beziehungen zwischen den Generationen näher untersucht, d.h. es sollte überprüft werden, welches Ausmaß die finanzielle Hilfe von Kindern für ihre Eltern hatte. Dabei stellte sich heraus, dass jedes zehnte Rentnerehepaar durchschnittlich 419 Rubel pro Monat von den Kindern bekommen hatte, das waren 32,6% des Geldeinkommens dieser Rentnerehepaare. Es gab dabei allerdings erhebliche Differenzen in der Höhe, denn das Minimum betrug hier 6% des Durchschnittseinkommens des Rentnerehepaars, das Maximum 50,5%. Ferner stellte sich heraus, dass 54,3% der Rentnerpaare, die von ihren Kindern unterstützt wurden, gleichzeitig eine sehr niedrige Rente bezogen. Durchschnittlich betrug das Geldeinkommen der Hilfe beziehenden Rentnerehepaare 1283,7 Rubel und war damit um 13,7% höher als der Mittelwert der Gesamtdaten (1129,4 Rubel)Bei diesen Angaben muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Rentner einen Teil der Hilfe in Form von Waren bekamen, die von den Rentnern in Geldeinheiten bewertet werden mussten.
Weiterhin kompensierten die Rentner den Mangel an Einkommen teilweise durch Naturaleinkünfte, die sie in Einzelwirtschaft erzeugten. In der Befragung teilten 74,3% der Rentnerehepaare mit, dass sie ein Grundstück besitzen, 34,9% von ihnen hatten Vieh, Geflügel oder Bienen, 32,7% sammelten Pilze, Waldbeeren oder medizinische Pflanzen. 92% dieser Einzelwirtschaft betreibenden Befragten gaben an, die Produkte innerhalb der Familien zu verbrauchen, d.h. sie auch für die Familien ihrer Kinder zu produzieren.
Größtenteils wurden die Nahrungsmittel daher für den persönlichen Konsum genutzt, die Rentner sagen daher häufig auch, dass ihr Grundstück sie ernährt, da der Verzehr von Obst
und Gemüse fast ausschließlich durch das eigene Grundstück gewährleistet wird. Im Gegensatz dazu zeigen die Daten einer regionalen Untersuchung der städtischen Familien, die Hauswirtschaft betreiben (es wurden 360 Familien im Gebiet Moskau im Jahre 1999 befragt) ein ganz anderes Bild. Man führte eine Geldbewertung der eigener Rente durch. 6 Säcke Kartoffeln und 3 Säcke Äpfel haben einen Hauptbeitrag zu dem auf dem eigenen Grundstück „gesammelten Korb“ geliefert. Durchschnittlich wurde eine Ernte auf 5230 Rubel pro Familie geschätzt. Tatsächlich wird der Beitrag der eigenen Ernte auf ca. 25- 30% weniger geschätzt, da eine Ernte bei der städtischen Bevölkerung nicht gut aufbewahrt werden kann. Gleichzeitig wurden der Kraftaufwand und die anderen Ausgaben geschätzt (5140 Rubel). Man sieht, dass das Einkommen durch eigene Ernte die notwendigen Ausgaben nur wenig übertrifft und die Hauswirtschaft eine geringe Effektivität aufweist. Häufig haben die Rentner aber keine Möglichkeit, auf effektive Weise ihr Nahrungsangebot zu verbessern oder frisches Obst und Gemüse zu kaufen.
Nur 8% der Hauswirtschaft betreibenden Rentnerehepaare bestätigten, dass sie einen Teil der Erzeugnisse- „in den letzten 30 Tagen“ - verkauft haben. Die zusätzlichen Einnahmen aus diesem Verkauf betrugen durchschnittlich 1364 Rubel (Minimum 60 Rubel, Maximum 5000 Rubel), wobei beachtet werden muss, dass die Umfrage in den Monaten Oktober bis Januar durchgeführt wurde.
Bei der näheren Untersuchung stellte sich heraus, dass die Rentnerehepaare, die einen Teil der eigenen Ernte verkauft haben, nur sehr selten Einkommen aus anderen Quellen bezogen. Nur ein Rentnerehepaar bestätigte, dass es Eigentum im Wert von 1500 Rubel verkauft hat. Von denjenigen Rentnerehepaaren, die Lebensmittel für den Verkauf erzeugen, taten dies 36,8% im Zeitraum von 5 Jahren nach Renteneintritt, der Rest der Rentner war noch älter. Es sind also Rentnerehepaare, die über geringe bis sehr geringe Renten verfügen und bereits seit mehr als 5 Jahren Rentner sind und sowohl ihre Ersparnisse (ob durch Inflation der 90er, oder durch Nahrungsmittelkonsum) aufgebraucht, als auch keine privaten Sachen mehr zum Verkauf anbieten und keine Hilfe von „außen“ erwarten können.
10,5% der befragten Rentnerpaare hatten Geld geliehen (Mittelwert 239,6 Rubel, Minimum 20 Rubel, Maximum 700 Rubel). Im Gegensatz dazu teilten 8,2% mit, dass sie Ersparnisse gemacht hätten (Mittelwert 480,8 Rubel, Minimum 50 Rubel, Maximum 3000 Rubel). Geliehen wird das Geld meistens untereinander, oder dem Nachbar, „Bis zur nächsten Renten/ Lohn“. Und es handelt sich in diesen Kreisen meist um kleine Summen. Wenn man von Ersparnissen spricht, dann handelt es sich meisten um das Geld „für die schlechteren Tage“, oder für die eigene Bestattung, welches die Rentner bereits zu ihren Lebzeiten versuchen aufzusparen. Doch die meisten Ersparnisse wurden von der Hyperinflation 1992- 1993 aufgezehrt und mussten nun mühsam von dem wenigen, was die Rentner haben, neu gespart werden.
14,9% aller befragten Rentner bezogen als zweite Geldeinkommensart einen Lohn (oder teilweise auch Waren und Dienstleistungen, die in Geldeinheiten bewertet wurden), der durchschnittlich 923,9 Rubel pro Monat betrug. Dadurch hat sich das Einkommen bei den Rentnerfamilien mit einem, oder zwei arbeitenden Familienmitgliedern auf durchschnittlich 1670,7 Rubel erhöht und war damit 1,5 Mal höher als der auf alle Rentnerfamilien bezogener Wert. Das Durchschnittseinkommen / Kopf beträgt in dieser Rentnergruppe mit 835,4 Rubel das 2,4- Fache des Existenzminimums der Rentner. Im Vergleich dazu liegt der entsprechende Index über alle Rentnerfamilien bei 1,6 des Existenzminimums. Der Lohn ist damit eine sehr wichtige Komponente des Lebensunterhaltes bei den erwerbsfähigen Rentnern. Von allen Familien mit einem arbeitenden Familienmitglied beträgt der Anteil der Familien, deren Einkommen durch Arbeit höher als ihre Rente ist, 39%. Durchschnittlich macht die Rente bei diesen Familien 53,8% des Familieneinkommens aus.
Der Anteil der arbeitenden Rentner, die Vieh, Geflügel oder Bienen haben ist deutlich geringer als der entsprechende Anteil bei allen Rentnerfamilien 17% gegenüber den 34,9%), was natürlich ist. Die Arbeitenden Rentner konzentrieren sich mehr auf die Erzielung von Geldeinkünften als auf die Naturalwirtschaft. Trotzdem züchten immer noch ¾ der Rentnerfamilien mit einem arbeitenden Familienmitglied auch noch Obst und Gemüse auf ihrem Grundstück. Die Möglichkeiten der arbeitenden Rentner, an Netzwerken von großen Familien teilzunehmen ist entscheidend größer als bei den übrigen Rentnerkategorien, weil sie über mehr Beziehungen verfügen und Waren, Geschenke und ähnliche Vergünstigungen auch von ihren Betrieben bekommen. Ihre Teilnahme an Familiennetzwerken ist daher vielfältiger und dies wirkt sich wiederum positiv auf ihre Geldressourcen aus, denn 19,2% dieser Rentnerkategorie bekam in den letzten 30 Tagen eine Hilfe von Außen. Zum Vergleich noch mal lag diese Zahl bei den übrigen Rentnern bei lediglich 15,2%.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die russischen Rentner, sogar die Moskauer, die schon traditionell besser gestellt waren, sind heutzutage gezwungen nach zusätzlichen Einkünften Ausschau zu halten, seien es Gelder aus dem Verkauf von persönlichen Sachen, geliehenes Geld, Einkünfte aus der Arbeit, Naturalwirtschaft oder die Hilfe von Außen. Von der eigentlichen Rente können in Russland momentan nur sehr wenige Leben. Wofür diese Gelder ausgegeben werden, untersuche ich im nächsten Kapitel.