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Attac und das kriselnde System

Gerade im Radio, Bayern 2…ein Gespräch mit einem der Attac-Gründer. Happy Birthday, etc. Der Gründer erzählte: Vor zehn Jahren, nach der Asien-Krise, sei man entsetzt gewesen, dass 30 Millionen Menschen von einem entfesselten Finanzsystem (usw.) in die Armut getrieben worden waren. Heute, so der Gründer wörtlich, “liege die gesamte Weltwirtschaft an der Kandare”.

Arbeit, die zweite

Mal wieder neulich, mal wieder im Radio: Es wird geredet, diesmal über die Beamten.
Zu hören sind die altvertrauten Klagen: Das Beamtenwesen schufte ineffizient, die Bezahlung sei nicht leistungsgerecht sondern steige mit dem Dienstalter an, einfach so. Kurz und gut: Man solle das Beamtenwesen an die Maßstäbe der freien Wirtschaft anpassen.

Anhang zum Speck in himmlischer Farbe

Und wer jetzt noch nicht genug hat, darf noch ein paar Links probieren:
1. Hier findet man die Reaktion der russischen Öffentlichkeit auf den Himmelsblauen Speck im Besonderen und Tabubrüche der Literatur im Allgemeinen.
2. Ein Interview mit Sorokin über diese Thematik.
3. noch ein Interview über die Motivation seiner Darstellungsweise.
Und hier, look at his face:

Nun im Kino: der zweite Lukianenko

Es ist soweit, die Kinos öffnen ihre Pforten, um vorurteilslos Lichte wie Dunkel hineinzulassen…
“Wächter des Tages” ist nun zu sehen.
Unbedingt reingehen!

Sergej Lukianenko - Wächter des Zwielichts

Wächter des Zwielichts ist der dritte Band von Sergej Lukianenkos opulenter, fabelhafter und vielgerühmter Wächter-Reihe.
Wer die Geschichten in Wächter der Nacht und Wächter des Tages nicht kennt, hat wohl kaum eine Chance wirklich in dieses spannende Buch einzusteigen.
Um es kurz zusamenzufassen: Es tobt ein Krieg unter den Anderen, von den Menschen durch das Zwielicht verborgen. Die Lichten – die Guten – gegen die Dunklen. Das unbedingt notwendige Gleichgewicht zwischen Hell und Dunkel hält die Inquisition, jene selbst für die Anderen mysteriöse Organisation.
Wer nun denkt, Wächter des Zwielichts spielt aus der Perspektive eines Inquisitoren, ist auf dem Holzweg. Den kurzen Abstecher in die Köpfe der Dunklen aus Wächter des Tages wiederholt Sergej Lukianenko leider nicht mehr, sondern hält sich konstant im Inneren des lichten Anton auf.
Wie immer bei den Wächtern handelt es sich um drei nur scheinbar in sich geschlossene Geschichten, welche am Ende doch wieder überraschend zusammengeführt werden. Ein Anderer hat einem Menschen das nach Angabe der Experten unter den Anderen unmögliche versprochen: Die Verwandlung in einen Anderen – kein Vampir oder Werwolf, sondern in einen Magier. Anton muss diesen Fall aufklären.
In der nächsten Geschichte ist Anton mit Frau und Kind im Urlaub, stößt dabei aber auf eine mächtige Hexe.
In der dritten Geschichte schließlich geschieht das Unglaubliche und Lukianenkos unberechenbare Gedankengänge umschließen die Gesamthandlung auf spektakuläre Weise.
Alles in allem schließt Wächter des Zwielichts konsequent an die Vorgänger an: Man muss sich beherrschen, es nicht am Stück durchgelesen zu haben. Vielleicht liegt dies auch daran, dass beinahe jeder Satz ein Absatz ist und damit der Band nur scheinbar 450 Seiten umfasst. Wohl aber gründet es sich darauf, dass Lukianenkos Geschichten eine geheimnisvolle, rasante Spannung aufbauen, welche selbst die langen und eher sachlichen Dialoge über die Anderen und die Menschen in spannende Lektüre verwandelt. Man kann einfach nicht aufhören!
Allerdings verbleibt bei mir nach 450 Seiten ein leichter Schimmer der Enttäuschung, so als würde Lukianenko die durch die vorherigen Bände geweckten Erwartungen knapp verfehlen. Auch drängt sich der Verdacht auf, dass Lukianenko Vater wurde, da die Vater-Mutter-Kind Thematik in den ersten beiden Geschichten doch sehr im Vordergrund steht und ein wenig zu breit und harmonisch abgehandelt wird. Dafür entschädigt aber die dritte, zusammenführende Geschichte.
Doch, was solls: Nicht motzen, sondern genießen! Denn einzigartig und genial bleibt Lukienanko auch in Wächter des Zwielichts weiterhin

mal was ganz anderes…Biotreibstoff

Grün hin, Grün her, meinetwegen auch Klimawandel hin, Klimawandel her…es gibt wohl kein besseres Zeugnis für eine fehlgeleitete, ideologische und idiotische, blinde und dumme, Übernahme aktueller Trends: Biotreibstoff.
Das Schlimmste ist wohl, dass gewöhnlich intelligente Menschen angesichts der Klimawandel-Hysterie und der Ökoschutz-Selbstbefriedigung nicht einmal mehr fähig sind, einen vollkommen klaren Sachverhalt zu sehen, bzw. die allernaheliegendsten Fragen zu stellen: Biotreibstoff = regenerative Pflanzen (haha), also: wo wachsen die Pflanzen für den Biodiesel? Richtig, auf Feldern! Und was wächst sonst auf den Felder? Richtig, Nahrungsmittel! Und woran leidet die halbe Welt? Richtig, an Hunger! Noch Fragen?
Nun hat auch noch eine Fluggesellschaft begonnen, mit Biogas zu fliegen. Sagt man nicht, bei solchen Besserwisser- bzw. Besserdenker- bzw. Bessersein-Themen zur Stigmatisierung singulärer Ausschweifungen: “Wenn das alle machen würden…” Gut, gerne: “Wenn das alle machen würden!”, na, was wäre, wenn alle mit Biogas fliegen würden? Richtig, wir würden hungrig fliegen und die Umwelt retten, aber zu essen hätten wir (die 1. Welt) zwar noch ein bißchen was, aber schaut mal in den Rest der Welt…Klimawandel ist eine Sache der weltweiten sozialen Gerechtigkeit - oder so, sagte das nicht Kanzlerin Merkel anlässlich G8-Gipfel, um sich vor der Frage nach der weltweiten sozialen Gerechtigkeit zu drücken, sich hinter der Ideologie (”Im Sinne einer Augenwischerei”) des Klimawandels davor zu verstecken? Ja, richtig, Klimawandel ist eine Sache der sozialen Gerechtigkeit in diesem Sinne, treffender wäre aber eine Sache der sozialen Ungerechtigkeit, die nun mit dem Biodiesel jenseits von Gut und Böse zum Himmel hinausstinkt: Wir (1. Welt) haben die Umwelt zerstört, nun retten wir (1. Welt) diese Erde - “auch für die dritte Welt” - und zwar indem wir anstatt Öl das Essen der 3. Welt als Treibstoff benutzen…wow, ich glaube ich spinne, sollten nicht WIR hungern, während die 3. Welt fröhlich ihre Regenwälder abholzt und die Umwelt im Sinne des Aufschwungs verpestet? Oh, was für eine Frechheit, was für eine UNmenschlichkeit, und das geschieht in der einzigen heute noch verbliebenen akzeptablen Ideologie…
Hier nun auch - endlich - die Brücke zur russischen Literatur (schnauf, geschafft): War Bulgakows Meister und Margarita nicht der “russische Faust”? Und während UNSER (deutscher) Faust den Teufel (im Menschen, oder wie auch immer) folgendermaßen definierte: “Ich bin der Geist der Böses will und Gutes schafft”, so definierte Bulgakow den russischen Teifel (im Menschen, oder siehe oben) so: “Ich bin der Geist der Gutes will und Böses schafft”. Na, da hatte Bulgakow angesichts der menschlichen Panik um die Klimaerwärmung nun doch mehr recht als unser guter alter Goethe. Schluss. Ende.

Ohnmacht in der neuen Welt

Mal ganz abgesehen davon, dass Gogol für alle Ewigkeiten das satirische Herz Russlands bleiben wird:
es gibt ein neues, im zweifachen Sinne phantastisches Buch von Boris Strugatzki, und zwar “Die Ohnmächtigen“.
Wer an dieser Stelle zu faul sein sollte die Rezension zu lesen: “In langweiligen Gesprächen über Menschen der Vergangenheit sind die Geheimnisse ihrer großen Taten verborgen”. Nein, von Langeweile in einem Atemzug mit Strugatzki zu reden gleicht literarischem Glashausbau; Versuch 2: “Enttäuschung ist das bittere Kind der Hoffnung”. Wieder nein, die auf Boris Strugatzki gesetzte Hoffnung hat nur süße Kinder gezeugt.
Damit ist also bewiesen, dass man Strugatzkis Bücher nicht mit seinen eigenen Zitaten besprechen kann, am Blick auf die offizielle Rezension führt also kein Weg vorbei.

Es ist nicht alles Lukianenko, was bei Heyne glänzt

Nach langer Abstinenz ein paar links:
Heyne versucht auf der Goldwelle Lukianenko weiterzusurfen. Allerdings, so die ehrenwerte LaR-Meinung: Keine Welle trägt dich ewig. Wer möchte der kann beim guten alten roten Dorn nachlesen, weshalb Dmitry Glukhovskys “Metro 2033″ lieber erstmal in den Regalen stehenbleiben sollte, auch wenn die ehrenamtlichen Amazon-Feuilletonisten andrer Meinung sind.
Recht gut gefällt dem LaR auch die Idee des Anaconda-Verlags, Novellen von Gogol und Tolstoi zum Spottpreis von 2,50 Euro neuaufzulegen.
Schließlich: Die Ukrainerin mit dem hübschen Namen Lada Lusina hat einen reizenden Roman zwischen Sex and the City und Wolfgang Hohlbein auf weiblich geschrieben, das Lesen machte Spaß, auch wenn es nicht zwangsläufig zu begeisterten Sprüngen an die Decke führte.

Pelewin, Romantik, Postmoderne

Nun, weil’s so schön ist…Diskussionsstoff mit meinem Lieblingsslawisten zum Thema Pelewin:
Meine Meinung: Pelewin schreibt a) originelle, b) postmoderne, c) witzige, d) kluge Bücher. Nur leider, e) sind seine Protagonisten 1) leblos und 2) unpersönlich. Darauf folgt f) dass Pelewins Romane zwar a) bis d) sind, aber nicht das vom LaR angestrebte Lesevergnügen bieten.
Die Meinung meines Lieblingsslawisten zum Thema Pelewin: Er stimmte mir von a) bis e) zu, wollte aber die Meinung f) nicht teilen. Es sei, so mein Lieblingsslawist, unnötig, romantisch und realistisch (also überholt), dass in Romanen Charaktere, lebendige Persönlichkeiten auftreten, es sei alleine der unkonventionelle und originelle Umgang mit Sprache und Erzählmustern, der einen Roman in Zeiten der Postmoderne auszeichnet.
Aha. Wir diskutierten noch einige Stunden weiter, und wäre ich der berühmte beste und einzige Freund von Raskolnikov oder James Jones Warden, ich hätte ihm meine Meinung mit der Faust eingehämmert. So blieb es beim bierseligen Gespräch ohne Einigung.
Grüße aus den Zeiten des Realismus.

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