Westen
"Gelesen hab' ich's nicht, doch dagegen bin ich schon"
Submitted by RSS Sammler on So, 02/01/2011 - 00:02Das Urteil gegen Michail Chodorkowski hat in den westlichen Medien einen neuen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Überall wird Russland Willkürjustiz und ein großer Imageschaden in Sachen Rechtstaatlichkeit bescheinigt. Dabei demonstriert der Umgang mit diesem Thema auf eine anschauliche Weise das verfaulte und verantwortungslose Wesen der freiwillig gleichgeschalteten westlichen Journaille.
Das feige Nachtreten der Überführten
Submitted by RSS Sammler on Di, 11/08/2009 - 00:00
Vergangene Woche jährte sich zum ersten Mal der Krieg in Südossetien. Der dritte, müsste man der Genauigkeit wegen sagen, denn schon 1920 und 1992 führte Georgien einen Vernichtungs- und Assimilierungskrieg gegen den kleinen Landstrich.
Der kleine siegreiche Krieg und seine Folgen
Submitted by RSS Sammler on Di, 07/04/2009 - 19:32Auch zehn Tage nach Beginn der Kampfhandlungen ist der kurze Kaukasus-Krieg noch ein heißdiskutiertes Thema in den deutschen Medien und Internet-Foren. In Diskussionsforen und Artikel-Kommentaren kriegt man immer eine breite Palette der Meinungen zu sehen, von heißblütigen Unterstützern des kleinen demokratischen Georgiens sowie Verachtern des imperialistischen Russlands bis zu den Entlarvern amerikanischer Tücke und innigen Russland-Freunden. In den offiziellen Medien ist derartiger Pluralismus dagegen weitgehend Fehlanzeige.Doch was sind die vorläufigen Ergebnisse dieses lokalen Ereignisses, das die Welt derart aufgeregt hat? Worauf basiert dieses intuitive Gefühl, dass hier etwas Fundamentales passiert ist, das manche Kommentatoren dazu veranlasst, von einer Zäsur zu sprechen und darin sogar einen ähnlichen historischen Wendepunkt, wie den Mauerfall 1989 zu sehen?Zum ersten Mal seit langer Zeit hat sich Russland wieder aktiv und konsequent für seine Interessen eingesetzt. Aus einem Objekt der Weltpolitik, zu dem es 1991 degradierte, ist Russland erneut zu einem Subjekt geworden. Es konnte auf den georgischen Angriff auf Südossetien gar nicht anders reagieren, denn auf dem Spiel standen sein Prestige und seine Glaubwürdigkeit. An solch ein entschlossenes Russland war die Welt schon lange nicht mehr gewohnt und die Machtlosigkeit der USA, die tatenlos zusehen mussten, wie ihr aufgerüsteter kaukasischer Zögling problemlos auseinander genommen wird, tat ihr Übriges. All dies warf fundamentale Fragen auf, inwieweit die herrschende Weltordnung überhaupt noch Bestand hat und aus welchem neuen Blickwinkel man die aktuelle Weltlage sehen sollte.Das militärische Fazit des Krieges ist, dass sich die russische Armee erstaunlich effektiv und kampffähig zeigte, während die von den USA hochgerüsteten und ausgebildeten Georgier (Militärbudget hatte sich in vier Jahren versiebenfacht, unentgeltliche Hilfe nicht mitgezählt) als sehr unprofessionell, um nicht zu sagen feige, auffielen. In drei-vier Tagen war vom Widerstand nichts mehr zu sehen, die Georgier ließen zahlreiches Kriegsgerät kampflos liegen und flüchteten nach Tiflis, das die Russen nur noch einnehmen mussten, dies aber offensichtlich nicht wollten. Die Russen zerstörten in Kerngeorgien die militärische Infrastruktur, die vorher für den Angriff auf Südossetien benutzt worden ist, und hatten dazu auch völkerrechtlich die Legitimation. Denn das Völkerrecht schützt auch De-facto-Staaten und sieht das Recht vor, auch auf dem Gebiet des Agressors zu operieren, wenn die Sicherheit dies erfordert. Wer hier von Unverhältnismäßigkeit redet, zeigt sich als Heuchler, vor allem wenn man an die Bombardierungen Belgrads, Novi Sads oder aber irakischer Städte denkt.Zum Ergebnis des Kriegs zählt auch, dass die Berichterstattung im Westen über Russland auf das Niveau des Kalten Krieges zurückgefallen ist - mit all den verschärften Lügen, doppelten Standards, Aggressivität und Einseitigkeit. Während in den ersten Tagen des Krieges noch hier und da auch eine kritische Stimme gegen Georgien zu vernehmen war (zu erdrückend waren die Tatsachen, die spontan nicht zu unterschlagen waren), setzt sich der Ton der Meldungen und der "Analysen" heute nur noch aus Ausführungen zusammen, wie gefährlich, unberechenbar und tückisch der Russe doch ist. Dabei wird in den Medien und der Politik so getan, als hätte der Krieg erst am 10. August angefangen, ohne dass es vorher einen georgischen Überfall und die Beinah-Zerstörung von Zchinvali mit zahlreichen Toten gab. Gezielte Hetze und Panikmacherei wird seitdem betrieben. Dem verbrecherischen Regime des irren Saakaschwili, das die ossetische Bevölkerung vertreiben wollte, wird dagegen Unterstützung und Hilfe versprochen. Die Kanzlerin Merkel, der vorher die territoriale Souveränität Serbiens so herzlich egal war, besteht nun darauf, dass die territoriale Souveränität Georgiens nicht verhandelbar sei - und verspricht Georgien unbeirrt den NATO-Beitritt. Noch heuchlerischer ist nur Condoleezza Rice, die Russland den Versuch vorwirft, das Regime in Tiflis gewaltsam zu stürzen - ganz so, als ob das nicht gerade Amerikas Stil wäre und zwar unter erlogenen Vorwänden.Zum Ergebnis des Krieges zählt auch, dass Russland durch die Beobachtung all der Heuchelei, des Blockdenkens und der Vertauschung von Opfer und Täter sich voller Empörung und Verachtung endgültig vom Westen abwenden wird. Dadurch, dass der Westen Russland jegliches Verständnis versagt, stößt es Russland von sich ab und erschafft eine neue Feindseligkeit in Europa, die niemand braucht. Das kolonialherrische und mentorenhafte Gebaren, mit dem der Westen Russland seit 1991 entgegentrat und bei jeder Abweichung von der eigenen Vorstellung des bedingungslosen Gehorsams dämonisierte, wirft Fragen auf, inwieweit dem Westen überhaupt je an einer echten Parnerschaft mit Russland gelegen war. Der Westen sah für Russland nur zwei mögliche Rollen vor, die er brauchen konnte: die des gehorsamen Befehlsempfängers oder weiterhin die des Feindbilds. Eine andere Variante hatte wohl von vornherein keine Chance.
Und täglich grüßt der Totengräber
Submitted by RSS Sammler on Di, 07/04/2009 - 19:32Nicht nur das Dämonisieren, sondern auch das Schwachreden Russlands gehört im Westen zu einem traditionsreichen rhetorischen Genre. Die beiden Taktiken sind auf eine bemerkenswerte Weise miteinander verflochten: sie haben den gleichen russlandfeindlichen Ursprung, die entgegengesetzte Methodik und dienen wiederum dem gleichen Zweck. In Abhängigkeit von persönlichen Neigungen des Kommentators findet eine dauerhafte Spezialisierung statt.In der Sache schließen sich ein böses und ein schwaches Russland zwar nicht aus (so mancher pedalliert aus lauter Verbissenheit beides zugleich), die beiden Methodiken laufen aber in gewissem Maße in entgegengesetzte Richtungen und sind nur schwer gleichzeitig überzeugend zu vermitteln. Jemand, der im Leser Ängste und Widerstand gegen "russische Bedrohungen" wecken möchte, ist meistens daran interessiert, diese Bedrohungen als möglichst groß darzustellen: Aufrüstung, Energie-"Erpressung", Geheimdienste oder drohende Übernahme strategischer westlicher Wirtschaftszweige. Hier soll eine defensive Psychologie als Reaktion auf einen großen und fiesen Gegner erzeugt werden. Das Schwachreden appelliert dagegen an offensive Gelüste und Überheblichkeit: hier soll durch das Betonen von Problemen das Gewicht Russlands herabgesetzt werden, um Kompromisslosigkeit in außenpolitischen Angelegenheiten anzuheizen. Und auch wenn sich beide Vorgehensweisen wenig vertragen, zielen sie unterm Strich gleichermaßen auf die Ablehnung Russlands ab.Der Methodik des Schwachredens, die historisch in diversen Blitzkrieg-Versprechungen Anwendung fand, bedienen sich heute Propagandisten mit der persönlichen Neigung zum Wunschdenken und Schadenfreude. Dabei haben sich mit der Zeit klassische "Axiome" etabliert, die veranschaulichen sollen, wie perspektivlos und vernachlässigbar Russland ist. Zum einen lässt kaum ein Vertreter dieser Linie Russlands "demographische Katastrophe" aus, die unbedingt in die Eroberung Sibiriens durch China münden muss. Ganz so, als ob Probleme demographischer Natur anderer Industriestaaten besser wären (Geburtenrate EU: 10,25; Russland: 11,03 (Quelle)) und wir weiterhin in einer Zeit leben, in der die Wehrfähigkeit durch große Menschenmassen erreicht wird.Ein anderes beliebtes Argument ist Russlands Wirtschaft, die angeblich nur durch Öl und Gas überlebt. Jetzt, wo der Ölpreis gefallen ist, wittern die Herren Totengräber bereits die "womöglich schärfste Wirtschaftskrise des neuen Russland" (Uwe Klussman bei Spiegel Online), deren Bestätigung die stark gefallene Moskauer Börse und die "Kapitalflucht" sein soll. Die Vorstellung, die aktuelle Finanzkrise würde die russische Wirtschaft härter als alle anderen treffen, weil sie ein Koloss auf tönernen Füssen ist, passt perfekt ins Propagandabild, doch diese Märchen können höchstens Naive beeindrucken. An der Grundtendenz des Nachfragewachstums in Schwellenländern sowie der Rohstoffverknappung wird auch die aktuelle globale Finanzkrise nichts ändern, so dass mit Sicherheit ein erneuter Anstieg des Ölpreises bevorsteht. Die Turbulenzen im Börsenkasino stellen eine Korrektur dar, nachdem Russlands RTS-Index über ein Jahr lang überproportional anstieg. Grund war, dass er eine längere Zeit ein Auffangbecken für internationale Spekulanten wurde, die der Krise im Westen auswichen. Zudem ist die Rolle der Börse in Russland bislang weitaus geringer, als zum Beispiel in den USA. Was ein Klussmann und seinesgleichen dagegen nicht erwähnen, ist dass Russland während der derzeitigen "schärfsten Wirtschaftskrise" ein BIP-Wachstum von 7,3% verbucht, was die Behauptungen der einseitig auf Rohstoffen basierenden Wirtschaft widerlegt.Russlands Armee, die angeblich von Zerfall geprägt ist und deren kampfunfähige Waffen vor sich hin rosten, erzielte in Georgien einen Blitzsieg gegen einen Gegner, der mit neuester NATO-Technologie ausgestattet und von NATO-Instrukteuren geschult war. Zwar ist Georgien zu klein, um daraus weit gehende Schlüsse zu ziehen, doch die Effektivität des russischen Vorgehens hat viele verblüfft und die spöttischen Stimmen wichen für eine längere Zeit den Angst schürenden.Trotz alledem werden wir immer wieder Stimmen hören, die sich der klassischen populistischen Palette bedienen, um Russland zu einem nicht ernstzunehmenden Spieler zu erklären. Sie propagieren das Bild eines dahinvegetierenden geopolitischen Auslaufmodells, der schlicht ignoriert gehört. Mittlerweile hat sich auch Joschka Fischer in diesen seltsamen Chor eingeschaltet und prophezeit Russland, das in jeglicher Hinsicht am kürzeren Hebel sitze, eine "düstere Perspektive". Seit der Mann auf der Gehaltsliste von George Soros und Madeleine Albright steht, verzapft er nur noch russophoben Mist. Ein denkwürdiges Beispiel, wie sich ein linker Rebell in einen verkrusteten Neocon verwandeln kann.Russland ist im Lauf seiner Geschichte schon häufig mal für tot erklärt worden und wird auch solche Rhetoriker überleben. Die Frage ist viel eher, ob sich Europa damit selbst ein Gefallen tut, Russland immer auf diese oder jene extreme Weise wahrzunehmen und ob nicht endlich eine sachliche, ausgeglichene und pragmatische Einstellung den wahren Interessen beider Seiten gerechter wäre.